Deutsche Crossmeisterschaften 2026 in Bensheim

Die ersten nationalen Meisterschaften im Radsport sind traditionell jene der Cyclocrosser am zweiten Januarwochenende – zugleich der Höhepunkt und nahezu der Schlusspunkt der Cyclocross-Saison.

In diesem Jahr war Bensheim Gastgeber der über zweieinhalb Tage dauernden Titelkämpfe. In der Vergangenheit war der Ort bereits Austragungsstätte eines internationalen Rennens im Frühherbst, meist auf schnellem Kurs. Diesmal präsentierte sich die Strecke jedoch aufgrund des tauenden Bodens und der starken Regenfälle zum Ende der Woche in einem völlig anderen Gewand. Schon beim freien Training am Freitag war der Untergrund sehr schlammig. Am Samstagmorgen entwickelte sich die Strecke zu einer durchgehenden Matschpiste, die die Fahrer an nahezu jeder leicht ansteigenden Passage zum Absteigen und Laufen zwang. Von Vorteil war also, wer dies besonders gut beherrschte.

Wahrlich keine Bedingungen für Schönwetterfahrer

Den Auftakt für den RV Pfeil machte Frank Liebing in der Klasse Masters 3. Er hatte sich vorgenommen, ein konstantes Rennen zu fahren – ein Plan, der ihm nach einem noch verhaltenen Start sehr gut gelang. Im Verlauf der vier Runden sammelte er zahlreiche Konkurrenten ein und durfte sich im Ziel über einen 16. Platz unter mehr als 40 Startern freuen.

Im folgenden Rennen stand Hannes Genze einmal mehr im Rampenlicht. Nach drei Titeln in Folge stellte sich die Frage: Kann er auch diesmal zu Gold fahren? Sein Hauptwidersacher Rosenkranz hatte in den Wochen zuvor keine Rennen bestritten, sodass seine Form schwer einzuschätzen war. Ebenfalls für den RV Pfeil Magstadt am Start waren Andreas Schröder und Ronald Friedrich, die sich berechtigte Hoffnungen auf Top-Ten- beziehungsweise Top-15-Platzierungen machten.

Rosenkranz ließ keinen Zweifel an seinen Titelambitionen aufkommen und bog als Erster ins Gelände ein. Hannes heftete sich sofort an sein Hinterrad. Als Rosenkranz nach einem Ausrutscher mit dem Pedal an einem Absperrpfosten hängen blieb, konnte sich Hannes bereits einige Meter Vorsprung erarbeiten.

Ein Finger zu wenig: Hannes Genze bejubelt den 4 Titel in Folge

Bei den extrem rutschigen Bedingungen waren Fehler kaum vermeidbar, und so unterliefen auch dem Titelverteidiger in der zweiten Runde zwei Patzer. Dennoch baute er seinen Vorsprung auf knapp zehn Sekunden aus. Im weiteren Rennverlauf blieb er nahezu fehlerlos und sicherte sich am Ende mit einem Vorsprung von 1:14 Minuten erneut den Titel.

Andreas Schröder kam gut ins Rennen, machte dann jedoch ein paar Fehler zu viel und verlor den Anschluss an seine Gruppe. In der Folge fehlte etwas der Zug nach vorne, sodass er am Ende den 13. Platz belegte. Ronald Friedrich hingegen zeigte ein für ihn sehr ansprechendes Rennen. In der letzten Runde schob er sich sogar noch am Vereinskollegen vorbei und fuhr als Zwölfter ins Ziel.

Im Rennen der U17 ging Moritz Kunath an den Start. Mit Startnummer 41 hatte er keine optimale Ausgangsposition, konnte sich auf der Startgeraden jedoch sofort um einige Plätze verbessern. Leider war sein Rennen nur wenig später beendet: Nach einer Kollision mit einem Kontrahenten stürzte er bei hohem Tempo schwer. Eine schmerzhafte Hüftprellung machte eine Fortsetzung des Rennens unmöglich.

Der zweite Wettkampftag brachte eine erhebliche Veränderung der Strecke mit sich. Fast zweistellige Minusgrade hatten den Boden sowie die Fahr- und Laufspuren des Vortages gefrieren lassen. Das Veranstalterteam schaffte es dennoch mit großem nächtlichen Einsatz, die Strecke zumindest teilweise zu ebnen beziehungsweise die Streckenführung anzupassen. Die vormittägliche Sonne begann den Schlamm jedoch erneut aufzuweichen, sodass es im Tagesverlauf wieder zunehmend rutschig wurde.

Im U 19-Rennen um 11:15 Uhr war der Boden noch weitgehend hart. Tobias Leeb hatte sich erst um Weihnachten überhaupt für einen Start bei der Deutschen Meisterschaft entschieden, da er sich bis dahin nicht für konkurrenzfähig gehalten hatte. Aufgrund weniger Bundesligapunkte musste er aus der letzten Startreihe ins Rennen gehen, kämpfte jedoch lange Zeit in einer Gruppe um Platz zehn. Am Ende erreichte er aus seiner Sicht einen starken 14. Platz unter 32 Startern – ein Beleg für seine beachtliche Leistungssteigerung gegenüber der Vorsaison.

Im abschließenden Rennen des Wochenendes wurde der RV Pfeil Magstadt durch drei Athleten vertreten: Paul Hellberg, Max Vetter und Frank Gruber. Letzterer hatte – ähnlich wie Moritz am Vortag – Pech in der Startphase und ging unsanft zu Boden. Der dabei entstandene Defekt am Rad warf ihn früh aussichtslos zurück. Dennoch gab er nicht auf, kämpfte sich zurück ins Feld und belegte schließlich Rang 44.

Max Vetter wurde nach den ersten Metern durch einen vor ihm gestürzten Fahrer aufgehalten. Seine anschließende Aufholjagd brachte ihn immerhin noch auf Platz 21, wenn auch nicht auf das erhoffte Ergebnis. Seine Erwartungen zu erfüllen – oder gar zu übertreffen – gelang hingegen Paul Hellberg. Er arbeitete sich schnell in eine Gruppe um Platz zehn vor, festigte im Verlauf der acht Runden seine Position im sich zunehmend auseinanderziehenden Feld und kam am Ende auf Rang neun ins Ziel. Mit dieser starken und zugleich besten Leistung des Winters ließ er zahlreiche Fahrer hinter sich, die sonst vor ihm zu finden waren.
Mit einem knappen Vorsprung sicherte sich Marcel Meisen bereits zum zehnten Mal die Deutsche Meisterschaft.

Insbesondere am Samstag hatten die Betreuer im Materialdepot alle Hände voll zu tun. Hannes wechselte beispielsweise bei jeder Depotpassage – also zweimal pro Runde – sein Rad. Jedes Mal mussten innerhalb weniger Minuten mehrere Kilogramm Schlamm von den Rädern entfernt werden. Entsprechend gilt den Betreuern ein ganz besonderer Dank für ihren unermüdlichen Einsatz.

Text Hannes Genze, Fotos: Armin Küstenbrück