Chronik

100 Jahre Radsport in Magstadt

1905 bis 1944

Als sich am 7. Juli 1905 einige sportbegeisterte Magstadter zusammentaten und in der Gaststätte Traube den Radfahrer-Club Magstadt gründeten, dachte sicherlich  niemand daran, dass 100 Jahre später dieser Verein mit eigenem Internetauftritt an ihr Wirken erinnern wird.

Ob sich damals jemand Gedanken darüber machte, dass diese Vereinigung einmal so lange bestehen und sich zu solcher Beliebtheit bei der Bevölkerung entwickeln würde ist leider nicht überliefert. Aber die Zahl der rad­sportbegeisterten Männer und Frauen in Magstadt nahm immer mehr zu, so dass der Verein bereits nach kurzer Zeit seines Bestehens eine ansehnliche Zahl von Mitgliedern aufweisen konnte.

Aus dem Gründungsprotokoll wissen wir, dass bei der Gründung im Jahr 1905 folgende Personen anwesend waren und somit als Gründungsmitglieder gelten:

Heinrich Beuttler, Karl Lauxmann, Leo Back, Karl Schuhmacher, Gustav Schuhmacher, Gustav Graner und Christian Häberle.

Zum ersten Vorsitzenden des Vereins wurde Heinrich Beuttler, zum Schriftführer und Kassierer Karl Lauxmann gewählt.

Im Jahr 1906 wurde die erste Vereinsmeisterschaft in Form eines Vereinsrennens auf der Strecke Magstadt – Malmsheim durchgeführt.

Beim Magstadter Sängerfest am 6.7.1908 führten vier Fahrer des Vereins im Festzug einen Kreuzbogen vor.

Nach Beratungen innerhalb des Vereins trat der Verein am 5.2.1911 dem Württembergischen Radfahrerbund bei.

Am 19.8.1911 fand im Rahmen eines so genannten Stiftungsfestes die Weihe des heute noch erhaltenen Vereinsbanners statt. In diesem Rahmen wurde dem Verein der Name Radfahrerverein Pfeil Magstadt gegeben. Die Ausgaben für das Stiftungsfest betrugen 983,- Mark, die Einnahmen 586,- Mark.

Bei der Jahreshauptversammlung im Jahr 1912 betrug der Kassenbestand des Vereins dann noch 36,98 Mark.

In den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg wurden hauptsächlich das Wander-, Korso- und Reigenfahren gepflegt.

Am 25.1.1914 fand die letzte Generalversammlung vor dem Ersten Weltkrieg statt.

Während des Ersten Weltkrieges kamen die Vereinsaktivitäten zum Erliegen.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges fand am 30.3.1919 die erste Generalversammlung statt. Ende 1919 hatte der Verein wieder 48 Mitglieder.

Am 22.8.1920 wurde das 15-jährige Vereinsjubiläum im Rahmen eines Stiftungsfestes gefeiert. An einem Umzug  nehmen zehn Radfahrvereine aus der Umgebung sowie vier Magstadter Sport- und Musikvereine teil.

Die Aktivitäten im Vereinsleben nahmen wieder zu, am 13.3.1921 wurde eine Gesangsgruppe gegründet. Ab dieser Zeit fanden regelmäßige Singstunden statt.

Ende 1921 hatte der Verein 80 Mitglieder. Damit konnte sich der RV Pfeil Magstadt zu den stärksten Radsportvereinen des Landes zählen, was wiederum durch die vielen Preise, die in Korsowettbewerben errungen wurden, zum Ausdruck kam.

Auch die damaligen Radrennfahrer, deren bekannteste Paul Wolbold und Ernst Bauer waren, konnten viele Erfolge mit nach Magstadt bringen.

Das Kunst- bzw. Reigenfahren, welches auch damals bereits in Hallen ausgeübt wurde, fand auch in Magstadt seine Anhänger. Da keine Übungshalle zur Verfügung stand, musste eine andere Trainingsstätte gefunden werden, um diesen Sport auszuüben. Kurzerhand wurden die Trainingsstunden in den Saal der Gaststätte zur „Germania” verlegt.

Im Jahre 1927 konnten die Mitglieder Eugen Renner, Willi Steegmüller und Karl Huber in Metzingen den 2. Platz im Gruppenfahren bei der Württembergischen Meisterschaft erringen. Bereits 1928 wurde als Vertreterin für die Damen als erste Frau Anna Kienle in den Ausschuss gewählt.

In den Jahren bis 1939 beteiligte sich der Verein dann hauptsächlich am Korsofahren, wobei viele wertvolle Pokale errungen wurden.

Erfolge gab es aber weiterhin bei Radrennen, wobei Helmut Schöffler in der Jugendklasse einen 3. Platz bei der Württembergischen Meister­schaft und einen 12. Platz bei der Deutschen Meisterschaft in Breslau belegen konnte.

Über die Zeit des Zweiten Weltkrieges kam das Vereinsleben fast ganz zum Erliegen, war doch die Mehrzahl der Mitglieder an der Front. Nur noch die älteren Mit­glieder konnten sich in Magstadt gelegentlich treffen. Zusammengehalten wurde der Rest des Vereins vom Ehrenvorstand Jakob Wolbold.

1945 bis 1954

Als sich nach Ende des Krieges im Jahre 1945 in Magstadt das Vereinsleben wieder zu regen begann und von verschiedener Seite der Zusammenschluss des Sportvereins und des Radfahrervereins Magstadt  in einen Großverein angestrebt wurde, waren es die alten Mitglieder des Radfahrervereins die sich dagegen wehrten. Sie waren der Meinung, dass man die Tradition wahren sollte, denn nach Jahren der Arbeit und Sorgen sollte der Verein als solcher weiterhin bestehen bleiben. Sie konnten sich durchsetzen, der Radfahrerverein Pfeil Magstadt blieb selbstständig und kann im Jahr 2005 auf seine einhundertjährige selbstständige Geschichte zurückblicken.

Die Mitglieder des RV Pfeil begannen wieder mit der Aufbauarbeit. Von den 12 Saalmaschinen, die durch Fliegerangriffe beschädigt waren, konnten wieder vier funktionsfähige Räder zusammengebaut werden. Mit diesen vier Rädern wurde dann in der alten Turn­halle das Radballspiel begonnen. Durch eine Sammlung der Mitglieder war der Verein dann in der Lage, die ersten neuen Kunstfahrräder anzuschaffen.

Auch der Rennsport wurde wieder betrieben, das erste Rennen war bereits am 30. Mai 1948 in Magstadt. Andres Kollross, Walter Kappler, Ernst Schmidt und Otto Schmid waren in den folgenden Jahren aktiv.

Das Kunstradfahren wurde wieder richtig in Angriff genommen, als nach einem Rundstreckenrennen die Jugendlichen des Vereins sich der Bevölkerung mit einem Reigen auf dem Markt­platz vorstellten.

Als dann die Turn- und Festhalle erstellt wurde, war die Gelegenheit gegeben, den Hallenradsport voll auszuüben, wovon die Aktiven des Vereins regen Gebrauch machten.

Im Jahr 1952 übernahm Gustav Kohler in der Turn- und Festhalle das Vereinstraining der Kunstradfahrer.

1955 bis 1980

Im Jahr 1955 beging der Verein sein 5O-jähriges Jubiläum. Das Straßenrennen am Vormittag fand noch bei trockenem Wetter statt, doch der Umzug und das Fest am Nachmittag mussten wegen heftigen Regen ausfallen. Die eingekauften Würste wurden abends in der Germania an die Mitglieder verteilt.

Die folgenden 50 Jahre waren geprägt durch großartige sportliche Erfolge der Aktiven des RV Pfeil Magstadt in allen Disziplinen des Radsports. Der Verein trat aber auch als Ausrichter von Veranstaltungen quer durch das gesamte Spektrum des Radsports. Der Anfang wurde 1959 mit der Württembergischen Straßenmeisterschaft gemacht.

Am 6. Januar 1960 veranstaltet der RV Pfeil sein erstes Querfeldeinrennen mit 30 Teilnehmern. Ab 1966 wurden die Rennen international ausgeschrieben.

Der Radball dominiert als besondere Disziplin von 1955 bis 1970. Es wird in der B-Nationalmannschaft gespielt.

Die Gebrüder Wolfgang und Jürgen Renner holen 1964 im 2er Kunstradfahren der Jugend den 1. Deutschen Meistertitel nach Magstadt.

Von 1966 bis 1968 errang Gudrun Steegmüller im 2er Kunstradfahren mit ihrer Partnerin Christa Franko zweite Plätze bei den inoffiziellen Weltmeisterschaften.

Mit den herausragenden Sportlern Karl Stähle und Wolfgang Renner hat in Magstadt die Erfolgsgeschichte für das Querfeldeinfahren begonnen. 1967 bis 1972 werden diese Beiden jeweils dreimal in Folge Deutsche Meister in dieser Disziplin.

Neben den sportlichen Erfolgen der Fahrer in dieser Disziplin tat sich der RV Peil aber auch als Ausrichter von Querfeldeinrennen bis hin zur Weltmeisterschaft hervor. Nach verschiedenen Crossrennen richtete 1967 der RV Pfeil Magstadt zum ersten Mal eine Deutsche Querfeldeinmeisterschaft an den Buchen aus. Durch den Erfolg dieser Veranstaltung begeistert, bewarb man sich neben Hannover um die Ausrichtung der Querfeldein-Weltmeisterschaft 1969. Bei der BDR-Hauptversammlung vom 22.-23.3.1968 in Inzell präsentierten die Vertreter des Vereins zusammen mit Bürgermeister Bohlinger das Magstadter Konzept. Mit 111:53 Stimmen erhielt Magstadt den Zuschlag für die Ausrichtung dieser Weltmeisterschaft. Als Termin wurde der 23.2.1969 festgelegt.

Mit der Vorbereitung und der Durchführung dieser Veranstaltung wurden der Verein und seine Mitglieder bis an ihre Grenzen belastet. Die Vorbereitungen begannen ab der Zusage durch den Verband. Im Vorfeld des Renntages hatte es dann heftig geschneit, so dass neben allen anderen Aufgaben allein schon die Präparation der Strecke eine riesige Herausforderung war. Die Veranstaltung wurde aber zum vollen Erfolg. Rund 25.000 Zuschauer kamen an die Buchen nach Magstadt und erlebten eine grandiose Weltmeisterschaft. Bei diesem Rennen belegte der Magstadter Fahrer Karl Stähle einen hervorragenden dreizehnten Platz.

Sportheim an den Buchen

Bei all den sportlichen Erfolgen darf der Bau des Sportheims an den Buchen den der Radfahrerverein Pfeil Magstadt zusammen mit dem Sportverein Magstadt Ende der siebziger Jahre realisierte nicht vergessen werden. Der Plan ein gemeinsames Vereinsheim zu bauen war innerhalb der beiden Vereine zunächst nicht unumstritten. In parallel an unterschiedlichen Orten stattfindenden außerordentlichen Hauptversammlungen beider Vereine am 30.4.1977 wurde der Bau selbst und die Gründung der Sportheim Bau- und Betriebsgesellschaft von den Mitgliedern beider Vereinen beschlossen. Nach diesem Beschluss wurde das Projekt mit vollem Einsatz angegangen. Baubeginn war bereits am 15. Juli 1977.

Sowohl was die Erbringung von Eigenleistungen als auch beim finanziellen Einsatz gaben beide Vereine alles.

Die Gesamtkosten des Objekts lagen bei 828 TDM, wobei diese durch Eigenkapital und Zuschüsse, aber auch durch Kreditaufnahmen finanziert wurden.

In der Bauphase wurden von Mitgliedern beider Vereine 4638 Arbeitsstunden geleistet. Vom RV Pfeil Magstadt waren die ersten und zweiten Vorsitzenden Heinz Laib und Walter Buck mit  359 bzw. 307 Stunden beteiligt, aber auch die übrigen Mitglieder unterstützen wo sie konnten, so leistet z.B. Albert Schach für den RV Pfeil 272 Arbeitsstunden beim Bau.

Bereits am 30.September 1978 konnte die Einweihung erfolgen.

Heute, gut 26 Jahre nach der Einweihung sind die Kredite getilgt, das Vereinsheim hat schon die ersten Renovierungsarbeiten hinter sich, der erst zweite Pächter betreibt das Restaurant seit 1983 und sowohl die Mitglieder beider Vereine als auch die sonstigen Gäste genießen ihre Aufenthalte im Vereinsheim.

1980 bis 2005

Am 15. Juni 1980 veranstaltete der Radfahrerverein Pfeil Magstadt anlässlich seines 75-jährigen  Bestehens  die erste Magstadter Touristikfahrt. Damals wurden 2 Strecken über 61 bzw. 125 Kilometer angeboten. Dies war die Auftaktveranstaltung zu einer bis heute durchgeführten großartigen Veranstaltung des Radfahrervereins Pfeil Magstadt. Mittlerweile locken jedes Jahr im Sommer 5 Strecken vom Marathon bis zur Familienstrecke meist über tausend Freizeitradler nach Magstadt.

1981 baut Wolfgang Renner in Magstadt in der Blumenstraße mit Unterstützung von Roland Bäuerle die erste BMX-Bahn in Baden-Württemberg. Im Mai wurde das erste Rennen auf dieser Bahn ausgetragen.

Jeweils am 6. Januar fand in Magstadt an den Buchen ein Querfeldeinrennen statt. Problematisch wurde es immer dann, wenn der 6.Januar als Wochentag nahe an das zweite Wochenende des Januars heranrückte, da am 2. Sonntag im Januar eines Jahres immer die nationalen Meisterschaften in ganz Europa stattfinden. In solchen Jahren machte der Verein aus dieser Not eine Tugend, bewarb sich um die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften und richtete diese dann auch in den Jahren 1984, 1990, 1995 und 2002 aus.

1987 beginnt mit Angelika Ziegler und Sylvia Steegmüller die Erfolgsserie im Zweier Kunstradfahren mit dem ersten Europameistertitel. 1990 konnten diese Sportlerinnen den ersten Weltmeistertitel im Zweier Kunstradfahren der Frauen nach Magstadt holen. Ihrem ersten Titel 1990 ließ dieses Paar zwei weitere Weltmeistertitel folgen. 1998 wurden diese erfolgreichen Sportlerinnen mit einer großen Gala in der Magstadter Sporthalle vom aktiven Sport verabschiedet.

Die traditionelle Radtouristik wurde 1994 um den Radmarathon mit einer Strecke von 240 km und 4000 Höhenmetern erweitert.

Im Jahr 2001 gab es den Höhepunkt in Sachen Kunstradsport. In diesem Jahr errangen Sportler des RV Pfeil Magstadt bei der Weltmeisterschaft in Japan in beiden Zweierwettbewerben den Titel. Katrin Ludwig und Sandra Steegmüller konnten nach mehreren WM Platzierungen den lange ersehnten Weltmeistertitel erlangen und damit erneut einen Frauentitel nach Magstadt holen. Gleichzeitig konnten Simon Altvater und Nico Kunert bereits bei ihrem ersten Start in der Eliteklasse ihren ersten WM Titel erringen. Diesen Erfolg konnten Simon und Nico bereits 3-mal wiederholen.

Unser Verein wurde immer wieder in der Presse als „der rührige RV Pfeil Magstadt“ oder auch als Veranstaltungs-Weltmeister betitelt. Dass der RV dem gerecht wird, zeigen viele Württembergische-, Süddeutsche- und Deutsche Meisterschaften im Rennsport, das Internationale Crossrennen, die WM-Qualifikationen und der Ländervergleichskampf im Kunstradsport.

Im Jubiläumsjahr musste mit der Tradition des Crossrennens leider gebrochen werden. Da nationale Meisterschaften mittlerweile zweitägig stattfinden war es den Verantwortlichen nicht möglich für den Donnerstag am 6.Januar 2005 ein den Ansprüchen entsprechendes internationales Fahrerfeld zu verpflichten. So musste das Rennen schweren Herzens auf den Herbst 2005 verschoben werden.

Trotz aller Aktivitäten in sportlicher- organisatorischer-Hinsicht wurde die Pflege des Vereinslebens auch in den zweiten 50 Jahren des Bestehens nicht vernachlässigt. Erinnert sei an ungezählte Kameradschaftsabende, an die Winterfeiern zusammen mit dem HHC Magstadt und dem Musikverein Magstadt, die vielen Empfänge für unsere erfolgreichen Sportler aber auch an Helferfeste als Abschluss einer gelungenen Veranstaltung.